In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sind in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs sechs Männer mit Schusswunden am Kopf aufgefunden worden. Fünf der Männer waren bereits tot, der sechste verstarb im Notarztwagen.
Am frühen Morgen um ca. 2.30 Uhr hörte eine Passantin die Schüsse und machte eine Polizeistreife, die zufällig in der Nähe war, darauf aufmerksam. Die Polizisten entdeckten daraufhin die Opfer sitzend in zwei Autos und die anderen Männer liegend davor.
Im Duisburger Stadtteil Neudorf fand man die Leichen. Dort befindet sich eine zweispurige Straße, die gut 100 Meter weit vom Bahnhof entfernt liegt. Auch die Universität befindet sich in direkter Nähe.
Nach Polizeiangaben wiesen alle Opfer Schusswunden im Kopfbereich auf und sind in den Autos erschossen worden. Es sah wie eine Hinrichtung aus. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um einen VW Golf und einen kleinen Lieferwagen mit Kennzeichen aus Pforzheim und Duisburg. Vier der Toten lagen in dem Golf, die anderen wurden in dem Transporter der Marke Opel entdeckt. Die beiden Wagen standen direkt nebeneinander, die Schüsse drangen durch die Scheiben in das Innere der Autos. Alle getöteten Männer waren zwischen 20 und 30 Jahre alt und sind Italiener. Es gibt noch keine Hinweise zum Tatmotiv oder wer der oder die Täter waren. Die Polizei sperrte den Fundort ab und die Ermittler stellten Zelte auf, damit die Spurensicherung in Ruhe arbeiten kann. Der Bahnverkehr ist von den Ermittlungen jedoch nicht betroffen.
Die Polizei sucht nach weiteren Tatzeugen und durchsuchte das Gelände. Man erhofft sich Hinweise durch die Überprüfung der Verbindung, die die Opfer zueinander hatten. Ein Video einer Überwachungskamera eines Verwaltungsgebäudes in der Nähe des Tatorts wird noch überprüft. Ob die Täter darauf zu erkennen sind ist noch unklar. Auch zwei Männer, die in der Nacht in der Nähe des Tatgeschehens gesehen wurden, werden gesucht. Es ist aber nicht sicher, dass sie etwas mit dem Vorfall zu tun haben.
Mittlerweile sollen gemeinsame Ermittlungen von Interpol Rom, der Polizeipräfektur der süditalienischen Provinz Reggio Calabria und der Duisburger Polizei ergeben haben, dass die Getöteten einer von zwei zerstrittenen "Familien" angehört haben, die der Ndrangheta zugezählt werden und somit der kalabrischen Mafia. Sprecher der Polizei schließen daher nicht aus, dass die Tat im Bereich der Bandenkriminalität anzusiedeln sei, wollen sich aber nicht genauer äußern. Neueren Ergebnissen zufolge soll sich unter den Toten der Wirt eines italienischen Restaurants in Bahnhofsnähe befinden. Angehörige der Opfer werden befragt, um die genaueren Hintergründe zu ermitteln.