Der erste Aspekt wird in soziologischen Theorien, welche auch die Liebe zum Forschungsgegenstand haben, leider zuwenig betrachtet. Die Bielefelder Systemtheoretiker Niklas Luhmann klammert in seinem Buch Liebe als Passion den erotischen Aspekt nicht aus, sieht ihn allerdings nur als Teilaspekt eines Systems Liebe. Wie andere Soziologen sieht er die sinnliche Liebe nur als Symbolwort für interaktive Prozesse, die sich selbst erzeugen und definieren. Das ist natürlich eine Begriffsverengung im traditionellen Verständnis von Liebe - umfasst aber dadurch auch alle drei von mir oben erwähnten Aspekte dieses "semantischen Codes". Nach Luhmann fungiert Liebe - ähnlich wie etwa für Immanuel Kant - in der heutigen funktional ausdifferenzierten Gesellschaft in erster Linie als "symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium", das unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich macht. Romantisch an der Liebe bleibt, dass wir immer wieder auf unsere eigenen Sehnsüchte im Wahrgenommenwerden vom (geliebten) Du zurückgeworfen werden. Die Partnersuche bleibt also auch in Zukunft spannend.